|
Es kommt nicht oft vor, dass man ein Review mit dem Satz “ein mit von sexueller Spannung schwelendes Drama in einem ungarischen psychiatrischen Anstalt für Frauen” einleitet. Aber da der Film mit einer sexuellen Begegnung zwischen Dr. Brenner (Ulrich Thomsen) und einer Unbekannten beginnt und da Sex immer knapp unter der Oberfläche dieses Filmes schwelt, liegt nichts näher.
Es ist 1913 und Dr. Brenner ist ein ungarischer Psychiater, der in seinen Methoden seiner Zeit weit voraus ist, was vermutlich daran liegt daß die gemeinhin gängigen Methoden seiner Zeit darin bestehen die Patienten zu foltern oder nackt auszuziehen. Der opiumabhängige Brenner führt sein ganzes Leben lang Tagebuch, bis er eine Schreibblockade erlebt. Von der Aussicht auf den einfachen Zugang zu Morphium gelockt, meldet er sich freiwillig in Dr Moravcshiks Anstalt zu arbeiten, wo eine Belegschaft aus Nonnen und Krankenschwestern den Patienten das Leben zur Hölle macht. Dort begegnet er der attraktiven Gizella Klein (Kirsti Stubø). Sie schreibt obsessiv und lebt schon seit über zehn Jahren in der Anstalt. Das Schreiben bringt die beiden zueinander./p>
Die Handlung bewegt sich dadurch vorwärts, daß die beiden Protagonisten ihre Gedanken erzählen und dabei ihre innersten Gefühle erforschen. Der Versuch den ganze Film von dieser Technik tragen zu lassen, schlägt jedoch fehl. Auch als eine didaktische Geschichte des Kampfes zwischen innovativem Denken und einem rückständigem Medizinverständnis funktioniert der Film nicht, obwohl dieser Konflikt einen der seltenen emotionalen Regungen bei Brenner provoziert. Im Grossen und Ganzen ist die Schauspielerei solide und diejenigen, die sich für Filme über Geisteskrankheiten interessieren oder ungarisches Kino allgemein mögen, werden “Opium” bestimmt zu schätzen wissen.
PA Klasse 6/10
Ulrich Thomsen: Dr. Brenner
Kirsti Stubø: Gizella
Zsolt László: Dr. Moravcsik
|
Apollo 54 (Italien 2007)
Regisseur: Giulivi Giordano
Diese übermäßig lange Parodie auf die Science-Fiction Opern der 1950er Jahre hat einige wirklich komische Momente. Mysteriöse Fernsehsignale verwandeln die Erdbevölkerung in Zombies und der interstellare Erforscher Bobby Joe ist fest entschlossen, sie aufzuhalten. Silvano Bertolin gibt eine grundsolide komödiantische Vorstellung als aufgeblasener Raumschiffkommandant, der sich auf die Reise begibt, um herauszufinden, wo die Signale herkommen. Begleitet wird er von seinem Kameraden Jim Bob, der mit seiner Art an Chico Marx erinnert, und zusammen bauen sie ein Raumschiff für ihre Mission die Welt zu retten. Science-Fictionfilme der 1950er Jahre sehen für uns aus heutiger Sicht billig produziert aus und das Set ist absichtlich so gestaltet, diese Stimmung einzufangen.
Giordano gelingt es einen ordentlichen Schlag gegen die meisten Klischees dieser Ära loszulassen, aber nach einer anfänglichen Phase des Gelächters über die kreative Genialität all dessen, werden Sie schnell feststellen, dass es eine Weile her ist, als sie zuletzt gelacht haben. Hätte Giulivi es irgendwo zwischen einem Kurzfilm und einer Stunde angesiedelt, hätten wir dem Treiben zujubeln können. Leider scheint die letzte halbe Stunde mehr oder weniger zu stören und der Charakter des Anselmo (Luca Silvani) ist womöglich die ärgerlichste und unamüsanteste Rolle, die sie je in einem italienischen Film gesehen haben.
Für eine Stunde erinnert Sie Apollo 54 an Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy. Danach wird es Sie nur noch daran erinnern, dass Sie vergessen haben, Ihre Katze zu füttern.
PA Klasse 6/10
Silvano Bertolin: Bobby Joe
Duccio Giulivi: Jim Bob
Luca Silvani: Anselmo
Giordano Giulivi: Apelle
|
Bottle Shock (USA 2008)
Regisseur: Randall Miller
 Bill Pullman und Chris Pine
Mit einem humorvollen Film basierend auf einer wahren Geschichte nimmt Miller uns mit in die Zeit, in der das Napa Valey noch kein weltweit bekanntes Synonym für guten Wein war. Wir schreiben das Jahr 1976 und Stephen Spurriers (Alan Rickman) Misserfolge als Weinverkäufer sind dabei sich mit Jim Barretts (Bill Pullman) Misserfolgen als Weinbauer auf der anderen Seite des Atlantiks zu verknüpfen.
Alan Rickman schafft es mit Mühe und Not den Film nicht völlig zu beherrschen, denn er ist herausragend in seiner Rolle als stereotyper Brite. Das soll nicht heißen, dass der Charakter des Weinhändlers Stephen Spurriers keine Tiefe hätte, aber Rickman spielt ihn so, als ob Spurrier sich selbst dazu entschlossen hätte, sich die Mannerismen gezielt anzugewöhnen. Rickman ist einer der wenigen großen Schauspieler die einen Stereotyp spielen können und dabei immer noch genial sind. Wir erfahren nicht wie er zu dem unrentablen Weinladen I’Académie du Vin in Paris gekommen ist, noch die Gründe, warum er England verlassen hat. Aber es ist klar, dass der Spurrier überhaupt nicht von Frankreich begeistert ist. Angespornt von seinem Nachbar Maurice (Dennis Farina) macht er sich jedoch trotzdem zu einer Reise nach Napa auf, um Wein zu testen.
Kulturelle Konflikte sind vorprogrammiert als er in eine typische amerikanische Seifenoper auf dem Weingut Chateau Montelana hineinstolpert. Jim Barretts fauler Sohn Bo (Chris Pine) befindet sich in einer Fehde mit dem mexikanischen Arbeiter Gustavo (Freddy Rodriguez) über eine Arbeiterin. Bo streitet sich auch mit seinem Vater, der seinen fehlenden Ehrgeiz bemängelt. Das Gut Chateau Montelana kämpft ums Überleben und Jim Barrett steht Außenseitern und ihren Ideen genauso ablehnend gegenüber, wie der von ihm verachteten französischen Weinindustrie im Allgemeinen. In diese explosive Mischung marschiert nun Spurrier mit der Idee, Napas Weine nach Frankreich zu einem blinden Weinprobentest zu bringen.
Der Film ist unterhaltsam und gut gemacht, aber das Wort “unvollständig” kommt einem wieder und wieder in den Kopf. Der Film streift die auch heute noch vorhandene inhärente Feindseligkeit Amerikas Frankreichs gegenüber, verfolgt dieses Thema jedoch nicht weiter. Auch gibt es Untertöne einer rassistischen Spannung zwischen Gustavo und Jim Barrett, die von Miller nur angedeutet und nicht weiter ausgeführt wird. Und das sind nur zwei der Handlungsstränge, die beginnen, nur um dann wieder ins Leere laufen. Der größte Teil davon hätte auf dem Schneidebrett bleiben können.
Ein weiterer Punkt den man erwähnen muss, ist die schauspielerische Leistung von Dennis Farina als Maurice. Sein Verhalten als Amerikaner in Paris kommt einem ungehobelt und rüpelhaft vor, während das gleiche Verhalten bei den amerikanischen Charakteren in Kalifornien völlig angemessen erscheint und unterstreicht damit den kulturellen Unterschied. Vielleicht liegt es an Farinas Jacke. Trotzdem ist diese Rolle nur ein kleiner Triumph für Miller, denn Farinas Charakter gibt diesem nicht genug Möglichkeiten, ihn voll auszuspielen.
Trotz dieser Mängel und der nationalen Stereotypen ist die Geschichte filmisch gut umgesetzt, wobei man dazu sagen muss, dass. Rickmans Talent auch einen schlechteren Film retten könnte. “Bottle Shock” war eine gute Wahl, um das SIFF 2008 abzuschliessen und die Weinhändler des Napa Valley haben guten Grund, in den nächsten Monaten einen grösseren Umsatz zu erwarten.
PA Klasse 7/10
Alan Rickman: Steven Spurrier
Bill Pullman: Jim Barrett
Chris Pine: Bo Barrett
Rachael Taylor: Sam
Freddy Rodríguez: Gustavo
Eliza Dushku: Joe
Miguel Sandoval: Mr. Garcia
Bradley Whitford: Professor Saunders
Joe Regalbuto: Bill
Hal B. Klein: Shenky
Kirk Baily: Loan Officer/Bankarbeiter
Philippe Bergeron: Pierre Tari
|
Une vieille maîtresse (Frankreich 2007)
Regisseurin: Catherine Breillat
 Asia Argento
“Une vieille maîtresse” basiert auf dem Roman von Jules-Amédée Barbey d’Aurevilly und spielt im Frankreich des frühen 19. Jahrhunderts. Der Freidenker Ryno de Marigny (Fu’ad Ait Aattou) plant die schöne und unschuldige Hermangarde (Roxane Mesquida) zu heiraten. Aber in der Gesellschaftsschicht in der sich die beiden bewegen sind solche Dinge nie ohne Komplikationen. Zumindest in den Filmen, die in dieser Zeit spielen. Ryno ist ein Mann mit Vergangenheit und Gerüchten zufolge ist diese noch lange nicht abgeschlossen.
Le Vicomte de Prony (Michael Lonsdale) und die Comtesse d’Artelles (YOlande Moureau) überzeugen Hermangardes Großmutter und Vormund La Marquise de Flers (Claude Sarraute) ihren zukünftigen Enkel genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie bestellt ihn zu sich und möchte sich versichern, dass die Gerüchte um seine Liebeleien nicht wahr seien. Ryno erzählt ihr daraufhin die Geschichte seiner 10 Jahre andauernden Affäre mit Vellini, gespielt von dem Star des Films Asia Argento. Velline ist die uneheliche Tochter eine italienischen Gräfin und eines spanischen Stierkämpfers und wurde mit Sir Reginald (Nicholas Hawtrey), einem alten Engländer, verheiratet. Ryno und Vellini lernen sch über einen gemeinsamen Freund kennen und ihre Affäre ist intensive und graphisch. Dieser Film präsentiert alles, was man von einem französischen Film erwarten kann, besonders von einem film von Catherine Breillat. Und, wie zu erwarten, stiehlt Asia Argento allen die Show. Rynos Erzählung dieser Affäre nimmt nicht nur den größten Teil des Films ein, sondern ist auch bei Weitem der Beste.
“Une vieille maîtresse” ist Breillats zwölfter Film, der erste seit ihrer massiven Gehirnblutung in 2004. Er hat alle richtigen Zutaten für einen fantastischen Film, aber der Anfang und das Ende können leider nicht mit dem mittlerem Teil mithalten. Nichtsdestotrotz wurde er 2007 in Cannes gezeigt und es lohnt sich, ihn sich anzusehen.
PA Klasse 7/10
Asia Argento: Vellini
Fu'ad Ait Aattou: Ryno de Marigny
Roxane Mesquida: Hermangarde
Claude Sarraute: La marquise de Flers
Yolande Moreau: La comtesse d'Artelles
Michael Lonsdale: Le vicomte de Prony
Anne Parillaud: Mme de Solcy
Jean-Philippe Tesse: Le vicomte de Mareuil
Sarah Pratt: La comtesse de Mendoze
Amira Casar: Mademoiselle Divine des Airelles
Lio: La chanteuse
Isabelle Renauld: L'arrogante
Léa Seydoux: Oliva
Nicholas Hawtrey: Sir Reginald
Caroline Ducey: La dame de Pique
|
Die Herbstzeitlosen (Schweiz 2006)
Regisseurin: Bettina Oberli
 Stephanie Glaser, Heidi Maria Glössner, Annemarie Düringer und Monica Gubser
Dieser Film zeigt genau das, worum es beim SIFF geht. Bettina Oberlis liebenswerter und bezaubernder Film wird alle zum Schmunzeln bringen, die ihn anschauen gehen. Es ist eine freche Geschichte, reizend erzählt und unterstützt durch diesen singenden Schweizerdeutsch-Dialekt. Trub, ein kleines Dorf im Emmmental des Schweizer Kantons Bern, bildet die Kulisse zur Geschichte und die malerischen Bilder seiner Wiesen und Matten können nur zur Bewunderungswürdigkeit des Films beitragen.
Die ältere Martha Jost (Stephanie Glaser) hat ihren Eheman nun schon seit neun Monaten betrauert. Sie schafft es nicht, seinen kleinen Tante-Emma-Laden alleine zu führen, und ihr Sohn Walter (Hanspeter Müller), zufällig auch der Dorfpfarrer, drängt sie, etwas anderes zu machen. Derweilen versucht der einflussreiche Lokalpolitiker Fritz Bieri (Manfred Liechti), ein bevorstehendes Kirchenchorkonzert in Trub zur Unterstützung seiner eigenen Karriere auszunutzen.
Als er bemerkt, dass die Dorffahne in trostlosem Zustand ist, fragt er Martha (die früher einmal Näherin gewesen war) sie instandzustellen. Martha, Lisi Bigler (Heidi Maria Glössner) und zwei Freundinnen machen sich auf, in Bern die Materialien dafür einzukaufen. Dort entdecken sie, dass Marthas Vergangenheit als Näherin ein halbes Jahrhundert zuvor eine verborgene Seite hat: sie hatte damals nämlich Damenunterwäsche hergestellt. Unter dem Drängen der aufrührerischen Lisi entscheidet Martha, ihren Kleinladen aufzugeben und im kleinen, konservativen Dorf eine Dessous-Boutique zu eröffnen. Fritz und Walter – wenig überraschend – sind empört und vor allem Manfred Liechti bringt seine Rolle als pompöser Wichtigtuer zu höchster Exzellenz.
Quer verwebt mit dieser einfachen Geschichte von Konservatismus und Anständigkeit gegen Damenreizwäsche sind Probleme von Seniorenfeindlichkeit und Sexismus. Trubs Bevölkerung scheint ziemlich bejahrt zu sein und der Kampf, eine gesellschaftliche Rolle zu finden in einer Kultur, die auf Jugendlichkeit ausgerichtet ist, wird nicht ausser Acht gelassen. Aber in “Die Herbstzeitlosen” sind die Alten für einmal nicht die Zielscheibe des Spottes, ebensowenig die Jungen. Vielmehr ist dies die mittlere Generation, die für gewöhnlich dem Griffel des Satirikers zu entgehen scheint. Die Schweizer Bauernkantone sind nicht gerade für eine progressive Lebenseinstellung bekannt, weshalb Martha und Lisi auch gegen etablierte Ideen darüber kämpfen, was sich für Frauen geziemt oder nicht geziemt. Dies ist aber bei weitem kein feministischer Film, denn schliesslich wollen die Frauen Damenreizwäsche herstellen! Und du wirst schon bald für ihre Seite Partei ergreifen.
Obwohl dieser Film als einer der besten je aus der Schweiz gekommenen gilt, wird er nie zu “Hollywood-Grösse” aufsteigen und werden wohl keine seiner Darsteller zu Sexsymbolen werden. Dennoch ist der Film “Die Herbstzeitlosen“ genau einer der Gründe, weshalb wir um Seattles so grosses und internationales Filmfestival dankbar sind. So liebenswürdig, so lustig - die grandiose Kinematographie und die erstklassige Schauspielkunst können nur Anerkennung für die Filmindustrie der Alpennation bringen. “Die Herbstzeitlosen“ ist die offizielle Schweizer Eingabe für die “Best Foreign Language Film Category” der 80. “Annual Academy Awards” (2008).
PA Klasse 8/10
Stephanie Glaser: Martha Jost
Hanspeter Müller: Walter Jost (als Hanspeter Müller-Drossaart)
Heidi Maria Glössner: Lisi Bigler
Lilian Naef: Vreni Jost
Annemarie Düringer: Frieda Eggenschwyler
Monika Niggeler: Shirley Bigler
Monica Gubser: Hanni Bieri
Manfred Liechti: Fritz Bieri
Peter Wyssbrod: Ernst Bieri
Ruth Schwegler: Silvia Bieri
|
Before the Rains (Indien/USA 2007)
Regisseur: Santosh Sivan
 Linus Roache und Nandita Das
Im Jahr 1937 fegt revolutionärer Unmut gegen die englische Herrschaft über Indien, aber in der südlichen Provinz Kerala war es bis jetzt relativ ruhig. Der Ingenieur Henry Moores (Linus Roache) versucht eine Gewürzplantage unter problematischen klimatischen Bedingungen tropischer Vegetation einzurichten. Sein kurzfristiges Ziel ist es, eine Straße zu bauen, die sogar den heftigen Monsunregengüssen widerstehen kann. Er wird von seiner rechten Hand T.K. (Rahul Bose) geschickt unterstützt und ist von ihm abhängig. Als ob die steigende Flut politischer Unzufriedenheit Moores Aufgabe nicht schon genügend kompliziert, treten noch zwei weitere Probleme auf. Bankmanager Humphries, ausgezeichnet und herablassend dargestellt von John Standing, wird wegen seiner Investition nervös. Und Moores hat auch noch eine verbotene Affäre mit seinem verheirateten Hausmädchen Sajani (Nadita Das).
Die kulturelle Unangemessenheit der Affäre zeigt sich auf vielfältige Weise, nicht zuletzt durch ihre Ehe, aber die Dinge werden für Moores bald noch schlimmer. Seine Frau und sein Kind treffen alsbald aus England ein. Als er erkennt, dass die Affäre zum Scheitern verurteilt ist und dass er seine Frau liebt, versucht er seine Spuren zu löschen. Aber jeder Vertuschungsversuch misslingt und seine Probleme steigen nur noch mehr als sich die Ereignisse überschlagen und seine Affäre mit Sajani die Aufmerksamkeit der Dorfbewohner auf sich zieht. Genau in diesem Moment enttäuscht der Film und scheitert daran, wahre Größe zu erreichen. Obwohl Moores ein widerlicher Kerl ist und gefühllos abweisend dem menschlichen Leben gegenübersteht, überzeugt er einfach nicht als Bildschirmschurke. Es fällt nicht leicht ihn zu hassen uns Sie wollen weder leidenschaftlich, dass er gefasst wird, noch dass er davonkommt.
Ehrlich gesagt, wenn Sie irgendeine emotionale Bindung aufgebaut haben, dann wechselt sie in diesem Moment zu T.K., an den sich sowohl Moores als auch Sajani hilfesuchend wenden. Er wird in der Mitte des Dramas gefasst und der beste Part des Films dreht sich um seine widersprüchlichen Loyalitäten. Sajani ist eine Kindheitsfreundin, Moores ist sein Boss und natürlich sind die Dorfbewohner, obwohl sie seiner Ansicht nach ziemlich rückschrittlich sind, seine Leute. Er hat eine moderne Sicht auf die Welt und Karriereambitionen, die mit dem Fortdauern der englischen Herrschaft eng verbunden und so Teil der Erfolgsgeschichte sind. Seine innere Qual sorgt für die dramatischen Höhepunkte des Films und Rahul Bose vermittelt dies deutlich. T.K. muss letztlich seinen inneren Konflikt lösen, als sich die zwei konkurrierenden Kräfte, das Stammesgesetz und die kolonialen Polizeikräfte, bedrohlich nahe kommen.
Munnar, eine abgelegene Region in Keralas üppiger Landschaft, bietet eine opulente Kulisse, als sich das Drama entwickelt. Der Film gewinnt durch die Ehrfurcht gebietende Schönheit der Südstaaten und die Gegend mit ihren Wasserfällen, Wäldern, Seen und heiligen Buchten ist durchgehend atemberaubend. Sie berührt das komplizierte Thema der kulturellen Unterschiede zwischen britischer Herrschaft und den historischen und traditionellen Mächten, die das Land für lange Zeit regierten. Sivans Debüt in englischer Sprache gelingt es die meisten Dinge richtig zu machen, aber enttäuscht sich selbst vielleicht dadurch, dass es das Publikum dazu bringt, am Anfang emotional in den falschen Charakter zu investieren. Nichtsdestotrotz war der Film in der offiziellen Auswahl einer Reihe von Filmfestivals, darunter Toronto, Tribeca und Pusan.
PA Klasse 7/10
Leopold Benedict: Peter
Rahul Bose: T. K. Neelan
Nandita Das: Sajani
Jennifer Ehle: Laura Moores
Indrajit: Manas
Lal Paul: Rajat
Linus Roache: Henry Moores
John Standing: Charles Humphries
Thilakan: Father
Ejji K. Umamahesh: Inspector Sampath
|
Auf der anderen Seite (Deutschland/Türkei 2007)
Regisseur: Fatih Akin
Wenn man sich dieses Jahr nur einen Film auf dem SIFF ansehen will, sollte dieser Film der Nachfolger “Edge of Heaven” - der zweite Film von Fatih Akins, dem Regisseur von “Head-On” - sein. Man sieht es selten, dass alle Filmkritiker den Saal zustimmend nickend verlassen. Noch seltener allerdings hat man am Ende eines so langen Films noch das Verlangen, mehr zu wollen. Akin verarbeitet seine persönliche Erfahrung vom Leben in zwei Kulturen in seiner Arbeit und erschuf einen Film darüber, wie sich Lebenslinien und Schicksale über die Grenzen dieser Kulturen ziehen.
Der Film spielt in Deutschland und der Türkei und in beiden Sprachen (inklusive etwas Englisch) und besteht aus drei ineinander verflochtenen Teilen. Der erste Teil, “Yeter’s Tod,” signalisiert geschickt, dass der Tod nicht das Ende dieses Teiles, sondern vielmehr sein Katalyst ist. Wir erwarten diesen Tod und haben so die Möglichkeit, uns auf andere Aspekte zu konzentrieren. Der Teil beginnt damit, dass der türkische Witwer Ali Aksu (Tuncel Turkiz) der Prostituierten Yeter (Nursel Kose) ein ungewöhnliches Angebot macht. Er möchte, dass sie bei ihm einzieht und ihn als einzigen Freier bedient. Sein Sohn Nejat (Baki Davrak), ein Universitätsprofessor, ist verständlicherweise skeptisch und nicht sonderlich begeistert, aber Yeters Charme und ihre liebevolle Art mit ihrer entfremdeten Tochter Ayten (Nurgul Yesxilcay) umzugehen, gewinnt sein Herz.
Zur gleichen Zeit beginnt für diese ihr eigenes Drama der Türkei. Akin vermeidet es geschickt uns für oder gegen ihre politischen Ansichten einzunehmen und der zweite Teil des Filmes konzentriert sich auf die menschliche Seite ihres Kampfes gegen die türkische Justiz. Allerdings ist sie, wie auch Ali, nicht besonders liebenswert und nach dem zweiten der drei Teile sitzt man so fasziniert im Kino also ob man einen Thriller und keinen Spielfilm verfolgen würde. Ayten wird von der deutschen Studentin Lotte Staub (Patrycia Ziolkowska) ‘adoptiert’ und da das zweite Segment mit “Lottes Tod” betitelt ist, tut der Zuschauer gut daran, nicht allzuviel Hoffnung auf diesen Charakter zu setzen. Die brillante Hanna Schygulla ist als Lottes Mutter eine immer anwesende Präsenz im Hintergrund. Ohne das man es merkt, hat Akin einen schon in seinem narrativen Netz gefangen und man kann nichts anderes tun, als sich zurücklehnen und sich mitnehmen zu lassen. Aber im dritten Teil, “Edge of Heaven,” erwischt einen Akin eiskalt. Susanne, die sich bisher im Hintergrund gehalten hat, tritt langsam in den Vordergrund. Schygulla ist keine Anfängerin und ist besonders für ihre Arbeit mit Rainer Maria Fassbinder bekannt.
Es gibt in dem Film weder Schwächen bei den Darstellern, noch in der Handlung, und “The Edge of Heaven” ist wahrscheinlich der beste Film des SIFF 2008. Der Film hat Preise für “Bestes Drehbuch” in Cannes und den Europeans in 2007 gewonnen und war auch Deutschlands offizieller Beitrag zu der Best Foreign Language Film Kategorie bei den 80. Annual Academy Awards.
PA Klasse 9/10
Nurgül Yesilçay: Ayten Öztürk aka Gül
Baki Davrak: Nejat Aksu
Tuncel Kurtiz: Ali Aksu
Hanna Schygulla: Susanne Staub
Patrycia Ziolkowska: Charlotte 'Lotte' Staub
Nursel Köse: Yeter aka Jessy
Yusuf Kaba: Flute player
Yelda Reynaud: Emine
Lars Rudolph: Markus Obermüller
Andreas Thiel: Consular Official
|
Kiss the Bride (USA 2007)
Regisseur: C. Jay Cox
Über “Kiss the Bride” lässt sich viel sagen; der Film ist nicht abgrundtief schlecht, aber es verwundert auch nicht, dass die Kritiker Probleme haben, ihm etwas Positives abzugewinnen. Jeder Film, der wie eine schlechte Episode von “Will and Grace” beginnt, kann im Grunde nur noch besser werden. Es ist vielleicht zu hart zu sagen, dass der Film eine klassischer Schwulenfilm voller alter Klischees und uninteressanter Charaktere sei, aber leider ist das der Fall. Der Protagonist Matt (Philipp Karner) ist ein schwuler Mann, der natürlich Redakteur bei einer Zeitschrift ist. Und wie man es sich schon denken kann, ist diese Zeitschrift eine Hochzeitszeitschrift. Und seine Assistentin ist eine Lesbe. Aus einer ethnischen Minderheit. Das ist kein guter Anfang und der Film widersteht auch nicht der Versuchung eine Reihe vorhersehbarer Gags abzuarbeiten - es fehlt nur noch die Lachspur aus der Konserve.
Die Handlung kommt in Fahrt, als Matt eine Einladung zu der Hochzeit seines ehemaligen High School Freundes Ryan (James O’Shea) bekommt. Matt entscheidet sich dafür, zu der Heirat zu gehen, aber nicht um zu feiern, sondern um sie zu ruinieren und Ryan so vor dem Unglück des Ehelebens zu retten - besonders eines heterosexuellen Ehelebens. Ob er durch diesen Plan zum Helden oder zum Schurken des Filmes wird, ist dem Zuschauer überlassen. Die Heirat findet in einer Kleinstadt in New Mexico statt, womit den Drehbuchschreibern ein weiteres Ensemble stereotyper Charaktere zur Verfügung steht: Rednecks, zerbrechende Ehen, Stripper, notgeile Hausfrauen und Pick-Up Trucks bevölkern die Stadt.
Bei aller Fairness muss man allerdings sagen, daß einige der Schauspieler es trotzdem schaffen den unoriginellen und flachen Charakteren etwas Leben einzuhauchen. Johanna Cassidy spielt Evelyn, die Mutter der Braut, und ihre Schäckereien mit Matt sind eine willkommene humorvolle Unterbrechung. Ryans zwei Freunde, Chris (Steve Sandvoss) und Sean (Michael Medica), spielen ihre Hinterwäldlercharaktere sehr überzeugend und das Drehbuch gibt ihnen gerade die richtige Menge unreflektierter Homophobie, dass sie glaubwürdig sind ohne übertrieben liberal oder unerträglich intolerant zu wirken. Amber Benson ist ein weiterer Lichtblick in ihrer Rolle als Elly, der arroganten Schwester der Braut. Vor einem Jahr an dem Altar sitzengelassen, wird ihr Zynismus wahrscheinlich die Zustimmung des einen oder anderen Zuschauers finden.
Im Großen und Ganzen ist der Film leichte Unterhaltung und kommt in seinen besten Momenten einer durchschnittlichen Sitcom am nächsten. Und da “The Last Wedding” der erste Film ist, der aus Outfests Drehbuchschmiede stammt, können wir uns vielleicht auf bessere Nachfolger freuen.
PA Klasse 5/10
Tori Spelling: Alex
Philipp Karner: Matt
James O'Shea: Ryan
Joanna Cassidy: Evelyn
Garrett M. Brown: Gerald
Tess Harper: Barbara
Robert Foxworth: Wayne
E.E. Bell: Dan
Amber Benson: Elly
Steve Sandvoss: Chris
Michael Medico: Sean
Jane Cho: Stephanie
Ralph Cole Jr.: Barry
Brooke Dillman: Virginia
Dean McDermott: der Klempner
|
|
Kritiken von Mike Caccioppoli
Dies ist eine brilliante Dokumentation, die von einem No-name Bodybuilder produziert wurde, der einst selbst Steroide nahm und nicht verstehen kann, warum er sich noch immer so schuldig darüber fühlt. (Seine zwei Brüder nehmen Steroide, schämen sich aber überhaupt nicht darüber.) Er heißt Christopher Bell und ist in Poughkeepsie, New York, geboren und aufgewachsen. Er erzählt uns, als er aufwuchs bewunderte er Leute wie Hulk Hogan und Arnold Schwarzenegger. Er sagt, sein Vater war ein großartiger Papa, aber kein Held; Hulk und Arnold waren aber welche. Bell interviewt nicht nur seine Eltern über die Gefühle zu ihren Jungs, die Steroide nehmen (Ist es ihre Schuld?), sondern geht den ganzen weiten Weg bis zum Capitol Hill und spricht auch mit Politikern. Bell möchte wirklich wissen, weshalb so viele junge Männer unbedingt perfekt aussehen wollen und weshalb die Regierung so erpicht darauf ist Steroide für illegal zu erklären.
Bell interviewt einen Arzt, der uns G.I. Joe Puppen von den 50ern bis heute zeigt und wir werden Zeuge, wie die Puppen in jeder Inkarnation immer muskulöser werden. Er spricht auch mit Politikern – achten sie darauf, wie der selbe Politiker, der Steroide verbieten will, anscheinend nicht weiß, welches das gesetzlich erlaubte Alter ist, ab dem Alkohol getrunken werden darf! Schwarzenegger, der den Gebrauch von Steroiden in seiner Zeit als Bodybuilder zugegeben hat, spricht nun davon es aus dem Sport zu ziehen, obwohl er einen Bodybuildingwettbewerb sponsort, in dem der Steroidgebrauch bekannt ist. Bell will uns nicht erzählen, ob er denkt, dass Steroide schädlich sind oder nicht. Er interviewt einfach Ärzte, Wissenschaftler, Jungs, die Steroide nehmen und sogar Eltern, die ihre Kinder verloren haben und Steroiden dafür die Schuld geben. Er spricht auch über seine eigene Schuld, die seine kurzzeitige Anwendung der Drogen einschließt. Was als eine Dokumentation über seine Brüder und ihre Körperbesessenheit beginnt, entwickelt sich zu einer Studie über das Verlangen unserer Gesellschaft um jeden Preis zu gewinnen und über die Heuchelei, die mit dieser Mentalität einhergeht. Und es ist ein aktueller Angriff auf Steroide und Steroidanwender. Im Gegensatz zu unserer gegenwärtigen Presse untersucht Bell jede Ecke und jeden Winkel der Debatte und stellt die harten Fragen, die mit diesem Thema einhergehen. Er untersucht die Angelegenheit nicht nur von innen und außen, sondern stellt sie völlig auf den Kopf.
Am Ende des Films hat Bell uns alle zugleich und unsere Lebensweise in die Geschichte verwickelt, während er seine Eltern von ihrer Schuld befreit hat. Es gibt nichts, dass sie hätten tun oder lassen können. Es ist etwas, das wir alle tagtäglich tun, dass es erlaubt, diese Debatte in solch einer unehrlichen und scheinheiligen Art und Weise fortzuführen.
PA Klasse 9/10
|
Rusalka (Russland 2007)
Regisseurin: Anna Melikyan
Kritiken von Amie Simon
 Mariya Shalayeva
Vom skurrilen Vorspann bis zu den farbenprächtigen Traumsequenzen wird dieses visuell beeindruckende moderne Märchen Sie in seinen Bann ziehen.
Die sechs Jahre alte Alisa Titova hat eine ausgeprägte Vorstellungskraft. Sie verbringt Stunden in ihrer verschlafenen Hütte am Meer, davon träumend eine Ballerina zu sein und eilig laufend, um die einfahrenden Schiffe zu treffen, in der Hoffnung ihren Vater, dem sie nie begegnet ist, unter den Seemännern zu finden. Ihr Charme und ihre Begeisterung sind nicht zu leugnen, aber das Ungewöhnlichste an Alisa ist, dass sie die Fähigkeit besitzt das Wetter zu kontrollieren und Wünsche zu erfüllen – für einen hohen Preis.
Nachdem das Familienhaus abgebrannt ist, entschließt sich Alisa dazu für immer stumm zu bleiben und wir nehmen ihre Geschichte wieder auf, als sie 17 Jahre alt ist. Gelegenheit für ein neues Leben bietet sich in Form eines Hurrikans, in deren Folge die Familie in die Großstadt Moskau zieht. Die Liebe zu einem Fremden, der Sasha heißt, entfacht ihre Fähigkeit zu kommunizieren, aber nicht alles ist so wie es aussieht. Alisas Lebensaufgabe ist viel größer als sie denkt.
Die Regisseurin Anna Melikyan verwendet geschickt einen Aufwärtsdrall zu den vielen Tragödien, die auftreten und beide Schauspielerinnen (Anastasia Dontsova als 6-jährige und Mariya Shalayeva als die 17 Jahre alte) verhelfen Alisa zu einem bezaubernden, hell scheinenden Leben. Zwangsläufig kommen Vergleiche zu "Amelie" auf, aber dieser hervorragende russische Film steht für sich selbst.
PA Klasse 8/10
Mariya Shalayeva: Alisa
Yevgeni Tsyganov: Sasha
Mariya Sokova: Mama
Anastasiya Dontsova: Die junge Alisa
|
Naufráges des Andes (Frankreich 2007)
Regisseur: Gonzalo Arijon
Am 12. Oktober 1972 charterte ein Rugbyteam aus Uruguay ein Flugzeug nach Santiago für ein Freundschaftsspiel. Die Mannschaft wurde vom Verein christlicher Brüder aus Carrasco gesponsort und die Spieler waren aus den höher gebildeten und privilegierten Kreisen aus Uruguays Elite ausgewählt. Da viele von ihnen zuvor noch nie geflogen waren, herrschte eine gespannte Atmosphäre und ausgelassener Spaß unter den Jugendlichen. Der Flug endete in Mendoza, Argentinien aufgrund schlechten Wetters und wurde dann am nächsten Tag fortgesetzt. Als das Flugzeug über den Anden abstürzte, setzte eine außergewöhnliche Geschichte ein, die noch explosivere Schlagzeilen auf der ganzen Welt verbreitete als der Absturz selbst.
Am 10. Tag wurde die Suche abgebrochen. Ihre Lebensmittel waren am selben Tag aufgebraucht, aber 16 der 45 Passagiere widerstanden der Natur und Biologie und überlebten 72 Tage mit dürftigen Rationen unter eisigen Bedingungen. Die Art und Weise, wie sie überlebten, schockierte und entsetzte in vielen Fällen eine aufmerksam gewordene Welt. Regisseur Arijon ist seit Kindheitstagen ein Freund der Spieler. Deshalb gelingt es ihm ihr Vertrauen zu gewinnen und vielleicht auch einen Zugang zu finden, den andere Journalisten niemals hätten etablieren können. Einer nach dem anderen enthüllen sie den Moment, als sie den Horror dessen begriffen, was sie zu tun hätten, um ihr Leben ein bisschen zu verlängern und ohne zu wissen, wann oder ob sie überhaupt gerettet würden. Sie wussten auch nicht, ob sie jemals eine Chance erhalten würden, alles zu erklären. Sie riskierten tot aufgefunden zu werden und von einer Welt, die von ihrer Geschichte nie gehört hatte, aufs Härteste verurteilt zu werden. Jedoch scheint diese Überlegung in jenen schrecklichen Tagen in den eisigen Anden eine weit entfernte Sorge gewesen zu sein.
In einem Anfall von Verzweiflung brachen Fernando (Nando) Parrado und Roberto Canessa schließlich zu Fuß auf, um Hilfe zu suchen. Sie hatten entschieden, dass dies eine bessere Alternative war als unter den frostigen Bedinungen auf den Tod zu warten. Arijon baut die Spannung wunderbar auf, wenn er zwischen den Aussagen jener, die am Flugzeug auf Nachrichten warteten und den beiden, die fortgegangen waren, wechselt. Sie zogen 70 Kilometer durch das Gebirge, überquerten Gipfel, die höher als 7000 Meter waren, bis sie einen skeptischen chilenischen Hirten trafen.
Arijons brillianter Dokumentarfilm fesselt von Anfang bis Ende Dank der Mischung aus Interviews mit den Überlebenden 35 Jahre später und nachgespielten Szenen (gefilmt auf 16mm Material von Cesar Charlone). Die Verflechtung dieser zwei Figuren ist meisterhaft, da sich kein Interview wiederholt, abgesehen von dem Mann, der die gleichen Ereignisse nacherzählt. Es finden sich einige Details, die bei einem empfindlichen Zuschauer Unbehagen auslösen können. Wenn Sie damit umgehen können, dann sollten Sie sich diese Dokumentation ansehen.
PA Klasse 8/10
die Befragter:
Roberto Canessa
Gustavo Zerbino
Adolfo “Fito” Strauch
Carlitos Paez
Jose-Luis Inciarte
Eduardo Strauch
|
Savage Grace (USA 2007)
Regisseur: Tom Kalin
Kritiken Mike Caccioppoli
Am 17. November 1972 wurde Barbara Baekeland in ihrer Londoner Wohnung von ihrem eigenen Sohn erstochen und wie es mit den meisten Dingen in London ist, war es ein Skandal. Geschichten wie diese sehen wir viel zu oft und wundern uns, wie so etwas passieren kann, wie ein Sohn seine Mutter töten kann. Tom Kalins „Savage Grace – Wilde Unschuld“ erzählt uns wie es möglich war. Barbara (Julianne Moore) war mit Brooks Baekeland (Stephan Dillane) verheiratet, Erbe des Bakelite Kunststoff Vermögens und wir treffen sie zum ersten Mal im New York der späten 40er Jahre, als sie gerade dabei sind zu einem ihrer vornehmen Dinner mit anderen reichen Leuten zu gehen. Zu dieser Zeit war Tony noch ein Kleinkind, aber es war bereits klar, dass er keine “normale” Erziehung haben würde. Als der Film in die 50er und 60er Jahre springt, sehen wir einen erwachsen gewordenen Tony (Eddie Redmayne), der sich mit seinem eigenen sexuellen Durcheinander befasst, sich dabei von seinem oft flirtenden Vater entfernt und eine ungesunde und inzestuöse Beziehung mit seiner Mutter fortführt.
“Savage Grace” will uns anscheinend sagen, dass es auf Grund Tonys verkorkster Eltern, die unentwegt ein krankes Spiel miteinander spielen – und zwar immer dem Anderen um eine Nasenlänge voraus zu sein – kein Wunder ist, dass er geistig labil wird und schließlich die Tragödie leider nicht abgewendet werden kann. Diese Theorie ist so gut wie jede andere, denn wir können niemals mit Gewissheit sagen, was jemanden in den Wahnsinn treibt. Jedoch werden einige Leute von der beinahe beiläufigen Darstellung der Ereignisse, die zum Mord geführt haben, abgeschreckt sein.
Während der Film eine episodische Struktur aufweist (die er wahrscheinlich auch nicht hätte vermeiden können, bedenkt man, dass so viele Jahre umspannt werden) und es einem deshalb manchmal so vorkommt, als ob vieles ausgelassen wurde, fühlt es sich so an, dass Regisseur Kalin für diese brisante und kontroverse Materie den richtigen Ansatz gewählt hat. Mit seinen Mutter-Sohn Inzestszenen, Nervenzusammenbrüchen und insbesondere Moores Darstellung einer Frau in permanenter Notlage hätte „Savage Grace“ leicht zu einem weiteren „Mommie Dearest“ verkommen können. Jedoch kann Kalin vermeiden, aus dem Film eine wertlose Kitschorgie zu machen und liefert stattdessen einen auf ruhige Art irritierenden Film. Während der Film für manche als zu kühl und kalkulierend rüberkommen kann, werden jene, die seine Hemmnisse anerkennen können, zufrieden nach Hause gehen.
PA Klasse 8/10
Julianne Moore: Barbara
Stephan Dillane: Brooks
Eddie Redmayne: Tony
|
Son of a Lion (Australien 2007)
Regisseurr: Benjamin Gilmour
Dieses sehr solide und unterhaltsame Drama konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Die Geschichte spielt in Darra, der nordwestlichen Grenzprovinz von Pakistan. Diese Region ist bekannt für die Unfähigkeit der pakistanischen Zentralbehörden, sich auch nur um ein wenig Kontrolle über die dortigen Warlords zu bemühen und gilt Gerüchten zu Folge als Versteck von Osama Bin Laden und anderen ehemaligen Talibankämpfern.
Sher Alam (Sher Alam Miskeen Ustad) ist einer der ehemaligen Taliban, ein Waffenproduzent und Witwer. Er lebt mit seinem Sohn Niaz (Niaz Khan Shinwari) und Niaz Großmutter zusammen. Sie führen ein bescheidenes Leben, teilweise wegen der Armut und teilweise auf Grund von Sher Alams strenger Auslegung des Islam. Sher besteht darauf, dass der junge Niaz (er ist um die neun Jahre alt) ins Familiengeschäft einsteigt, aber Niaz, ermutigt von der Welt, die er um sich sieht und durch den Einfluss seines Onkels Baktiyar (Baktiyar Ahmed Afridi), hat hohe Ambitionen.
Gilmour lässt zu, dass sich die Spannungen in der Beziehung beider wunderbar entfalten und nimmt sich Zeit, die Nebenfiguren einzuführen, aber der Film ist zu keinem Zeitpunkt langsam oder schleppend. In jeder Szene lernen wir etwas Neues über ihr Umfeld und ihre Politik oder wir treffen auf neue Figuren. Keine Einstellung, keine Textzeile wird verschwendet. Es gibt genügend Nebenhandlungen, die unser Interesse halten ohne den Fokus auf Niaz, seine Träume und die Meinung seines Vaters über diese zu verlieren.
Die Reihe von Filmen über diesen Teil der Welt, der uns normalerweise nur aus den Nachrichten bekannt ist, nimmt zu und Gilmours Film ist eine großartige Ergänzung zu unserem kulturellen Verständnis des Pashtun Volks, der herrschenden ethnischen Gruppe in dem Landstrich.
Filmisch betrachtet bietet das Gedränge der Provinzhauptstadt Rawalpindi einen ausgezeichneten Kontrast zur Einöde des ländlichen Dorfes und dem dazugehörigen Flüchtlingscamp, in dem Niaz lebt.
Dieser Film ist ein durch und durch unterhaltsames Experiment und eine neue und andersartige Perspektive auf das Motiv der Beziehungen zwischen Vater und Sohn. Sie werden absolut zufrieden sein, wenn Sie das Kino verlassen.
PA Klasse 8/10
Niaz Khan Shinwari: Niaz
Sher Alam Miskeen Ustad: Sher Alam
Baktiyar Ahmed Afridi: Baktiyar Afridi
Agha Jaan: Agha Jaan
Anousha Baktiyar: Anousha Vasif Shinwari
Fazal Bibi: Grandma
Khaista Mir: Pite Afridi
Hayat Khan Shinwari: Hayat Afridi
|
Kritiken von Mike Caccioppoli
 Emmanuel Jal
Man muss sich nicht schämen, wenn man die Geschichte von Emmanuel Jal nicht kennt, denn niemand kennt sie. Der ehemalige Kindersoldat, der jetzt Rap Star im Sudan ist, wurde in einer abenteuerlichen Aktion aus der Kriegszone geschmuggelt und ist einer der bekanntesten Zeugen des Völkermordes, der in seiner Heimat stattfand. Jal erzählt seine Geschichte in dieser Dokumentation und wir erfahren, wie er überlebte und seine Erfahrungen in seiner Musik ausdrückt.
“Emmanuel Jal: War Child” zeigt eine Seite des Konfliktes zwischen Darfur und dem Sudan die nicht in den Abendnachrichten erscheint. In den älteren Interviews mit einem acht- oder neunjährigem Jal (er kennt seinen Geburtstag nicht) wird schon offensichtlich, daß er eine wichtige Figur werden wird. Am Ende des Films begleiten wir ihn auf einen Besuch bei seiner Großmutter und seinem Vater, die er seit fast zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat. Durch den Krieg auseinander gerissen, sind sie jetzt zwar stolz auf ihn, aber das Wiedersehen ist bittersüß. Jal möchte den Kindern helfen und entscheidet sich, eine Schule zu gründen. Dies ist sein Lebenszweck geworden: seine Geschichte zu erzählen und der Gemeinschaft zurück zu geben.
Christian Karim Chrobog hat einen bewegenden und inspirierenden Film geschaffen. Es ist gut zu wissen, daß es Menschen wie Jal gibt auf dieser Welt gibt.
PA Klasse 8/10
|
 Tadanobu Asano
Farben und Prunk der Mongolei des 12. Jahrhunderts bilden ein prächtiges Gemälde für diese Inszenierung der Kindheit und Jugend von Temudgin, dem bedeutenden Dschingis Khan. Die Zeitsprünge sind besser als in den meisten Fällen geraten und ausgehend von Temudgins Geburt im Jahr 1162 folgen wir seiner Jugendzeit, die für den zukünftigen Kriegsherrn wirklich tragisch verlief. Umzingelt von Feinden in einer für unsere Verhältnisse unwirtlichen Gegend erträgt der junge Temudgin Sklaverei und Erniedrigung, aber just in dem Moment, als er dem Tod nahe ist, passiert etwas unglaublich Glückbringendes. Mehrere Personen retten ohne ersichtlichen Grund sein Leben, freunden sich mit ihm an und leihen ihm Pferde aus. Als Zuschauer werden Sie aber eine Weile dasitzen und auf eine Erklärung dafür warten.
Abgesehen davon wird hier eine fantastische Geschichte erzählt und einige Freundschaften, die Temudgin schließt, zeigen, dass er mehr war als ein schlichtweg brutaler Sadist – wie ihn die europäische Geschichte dargestellt hat.
Tadanobu Asano spielt, obwohl er japanischer Herkunft ist, die Rolle des älteren Temudgin in fließend mongolischer Sprache. Odnyam Odsuren beeindruckt aber ebenso als neunjähriger Temudgin. Dessen Vater Esugei (Ba Sen), der Khan jener Zeit, trinkt Milch von seinen Gegnern, weil die mongolische Tradition es so will. Als er daran stirbt, muss der junge Temudgin lernen in einer brutalen Welt zu überleben. Auf seiner Reise gewinnt er seine Frau Borte (Bayartsetseg Erdenebat/ Khulan Chuluun) und seinen Blutsbruder Jamukha (Amarbold Tuvshinbayar/ Honglei Sun).
Honglei Suns Jamukha ist listig und unaufrichtig. Für eine Weile sieht es so aus, als würde er Temudgin die Show in den Szenen stehlen, in denen sie zusammen auftreten. Die Figur wirkt als habe sie eine starke überzeugende Persönlichkeit, wobei wir vielleicht eher erwartet hätten, dass Asanos Temudgin genau dies auf der Leinwand zeigen würde.
Der Film verweilt bei einigen Passagen aus Temudgins frühen Kindheitstagen sehr lange und springt dann plötzlich zu seiner Zeit als Herrscher des mongolischen Volkes, ohne viele Erklärungen dafür zu geben. Wenn die Geschichten über eine Fortsetzung wahr sind, dann wird der beste Teil von Dschingis Khans Lebensgeschichte erst noch erzählt werden. Wenn die Fortsetzung ebenso aufwendig wird wie Bodrov die Ereignisse hier schildert, dann darf man gespannt sein. Denn ehrlich gesagt lässt Mongol Sie mit dem Gefühl zurück, mehr sehen zu wollen und zwar sowohl aus positiven als auch negativen Gründen.
PA Klasse 7/10
Tadanobu Asano: Temudgin
Odnyam Odsuren: Young Temudgin
Khulan Chuluun: Börte
Bayertsetseg Erdenebat: Young Borte
Honglei Sun: Jamukha
Amarbold Tuvshinbayar: Young Jamukha
Aliya: Oelun
Tegen Ao: Charkhu
Ying Bai: Merchant with golden ring
Bao Di: Todoen
Deng Ba Te Er: Daritai
You Er: Sorgan-Shira
Sai Xing Ga: Chiledu
Ba Yin Qi Qi Ge: Temulun
Ba De Rong Gui: Young Taichar
Sun Ben Hon: Monk
Zhang Jiong: Tangut Garrison Chief
Amadu Mamadakov: Targutai
He Qi: Dai-Sechen
Li Jia Qi: Mungun
Bu Ren: Taichar
Su Ya La Su Rong: Girkhai
Ba Sen: Esugei
Ba Te: Khasar
Ba Ti: Dzhuchi
Ba Tu: Altan
Ji Ri Mu Tu: Boorchu
Tunga: Sochikhel
|
La Ragazza del lago (Italien 2007)
Regisseur: Andrea Molaioli
Diese in Norditalien spielende Detektivgeschichte beginnt mit dem Verschwinden eines kleinen Mädchens und man glaubt, den weiteren Verlauf der Geschichte schon zu kennen. Dann jedoch taucht das Mädchen plötzlich wieder unversehrt auf und führt die Polizei zu der Leiche einer jungen Frau, Anna Nadal.
Der ältere Detektiv Sanzio (Toni Servillop) wird aus einer nahe liegenden Stadt dazugerufen. Es gibt eine Reihe möglicher Täter - den einfältigen Mann, der Annas Leiche gefunden hat, dessen verbitterten Vater, Annas Freund, ihren Hockeytrainer, das Pärchen auf dessen Baby sie aufgepasst hat, sogar ihren eigenen Vater und ihre Schwester. Das Bild von Anna, das durch diese Nachforschungen erscheint, ist komplex und verstörend; der starke Effekt, den sie auf die Menschen in ihrer Umgebung hat, ist immer noch präsent. Wie üblich in einer Kriminalgeschichte, wird anfangs die falsche Person festgenommen und es gibt einige sehr spannende Momente.
Sanzios Arbeit wird immer wieder durch schmerzhafte Begegnungen mit seiner Frau und seiner Tochter Francesca unterbrochen, die einige Jahre älter ist als Anna. Seine Frau lebt in einem Heim, leidet unter Amnesie und erkennt ihn nicht mehr, seine Tochter ist wütend auf ihn, weil er die Krankheit ihrer Mutter lange vor ihr geheim gehalten hat. Sanzios Nachforschungen in das kurze Leben Annas zwingen ihn dazu, sich mit seinen eigenen Familienproblemen auseinanderzusetzen. Die Entlarvung des Mörders ist für ihn auch eine persönliche Offenbarung.
Obwohl es hier und da einige unglaubwürdige Momente gibt, funktioniert der Film gut auf beiden Ebenen, als spannende Kriminalgeschichte und als Studie über die emotionalen Verwicklungen und die Probleme des Lebens. Die wunderschöne italienische Landschaft bekommt man noch als Bonus dazu.
PA Klasse 8/10
Toni Servillo: Commissario Sanzio
Alessia Piovan: Anna Nadal
Franco Ravera: Mario
Omero Antonutti: Padre di Mario
Marco Baliani: Davide Nadal
Heidi Caldart: Silvia Nadal
Anna Bonaiuto: Moglie di Sanzio
Enrico Cavallero: Allenatore
Denis Fasolo: Roberto
Sandra Cosatto: Madre di Roberto
Sara D'Amario: Dottoressa Giani
Fabrizio Gifuni: Corrado Canali
Valeria Golino: Chiara Canali
Nello Mascia: Alfredo
Giulia Michelini: Francesca
Nicole Perrone: Marta
Maria Sole Mansutti: Madre di marta
Marzia Postagna: Zia di Marta
Fausto Maria Sciarappa: Ispettore Lorenzo Siboldi
Giuliano Zannier: Carlo
|
Kung Fu Panda (USA 2008)
Regisseur: Mark Osborne, John Stevenson
DreamWorks neuer animierter Held, der pummelige, pelzige Panda Po (synchronisiert von Jack Black), träumt davon sich mit den legendären Martial Arts Meistern von einst im Kung Fu zu messen. Po’s Vater ist Gastwirt des Dorfes und bekannt für seine köstlichen Nudeln. Po ist dazu bestimmt das Familiengeschäft fortzuführen, aber er hat andere Vorstellungen.
Po möchte am Dorffest teilnehmen, wo Kung Fu Meister Tai Lung (gesprochen von Ian McShane) „den Auserwählten“ bekannt geben wird, der das Vermächtnis des mächtigen Friedenskämpfers weiterführen soll. Nachdem er sich hinein geschlichen hat, bekommen sowohl Po als auch die Dorfbewohner einen Schock als er zum Auserwählten gekürt wird. Auch Meister Lungs Freunde, die legendären „Furiosen Fünf“ sind verblüfft – Tigerin (gesprochen von Angelina Jolie), Kranich (David Cross), Gottesanbeterin (Seth Rogen), Viper (Lucy Liu), Affe (Jackie Chan) und ihr Gurumeister Shifu (Dustin Hoffman).
Nun blickt Po der Herausforderung entgegen seine Träume wahr werden zu lassen und er muss den „Furiosen Fünf“ beweisen, dass er den Job machen kann. Meister Lung ermuntert Po und schickt ihn für das Training zu seinem treuesten Kampfsportler und Freund Shifu.
Kinder werden von der Geschichte des „Kung Fu Panda“ genauso gefesselt sein wie von den liebevollen Geschöpfen und Erwachsene werden sich über die 3D-Schöpfungen von DreamWorks freuen, die sich mit der asiatischen Animé-Gemeinschaft für dieses Filmprojekt zusammengetan haben und Yong Duk Jhun für die Kameraführung und Tang Kheng Heng als künstlerischer Leiter in Anspruch genommen haben.
PA Klasse 7/10
|